Indikationen für eine Tracheotomie

In welchen Situationen ist es sinnvoll oder gar notwendig, einen Patienten mit einer Trachealkanüle zu versorgen? Was sind die medizinischen Indikationen für die Öffnung der Luftröhre von außen?

Langzeitbeatmung

Patienten, die beatmungspflichtig sind, werden zunächst translaryngeal intubiert. Dabei wird ein Tubus durch den Mund über den Rachen bis in die Trachea vorgeschoben.

Dieser Tubus passiert dabei den Kehlkopf und liegt zwischen den Stimmlippen.

Eine zu erwartende Beatmungszeit von mehr als 10 Tagen sollte immer die Indikation für eine Öffnung der Luftröhre von außen (Tracheotomie) stellen. Eine Tracheotomie stellt für den Körper ein weit geringeres Trauma dar, als ein translaryngelaer Tubus.

Der Zeitpunkt der Tracheotomie nach Dauer der Beatmung. Die Zahlen stammen aus einer Umfrage, die 1999 auf Intensivstationen in Deutschland durchgeführt wurde.

Der Zeitpunkt der Tracheotomie nach Dauer der Beatmung.
Die Zahlen stammen aus einer Umfrage, die 1999 auf Intensivstationen in Deutschland durchgeführt wurde.

Aspirationsprophylaxe bei schweren Dysphagien

Die zweite große Gruppe der tracheotomierten Patienten ist mit einer geblockten Trachealkanüle versorgt, um sie vor Aspiration zu schützen.

In Kliniken sind das vorangig Patienten mit einem Schlaganfall, die eine Vigilanzminderung haben und bei denen der Hirnstamm beteiligt ist. Notwendige Schutzmeachnismen des Körpers können nicht mehr greifen und Speichel kann ungehindert in die unteren Atemwege eindringen. Daraus resultierende Lungenentzündungen hätten für den geschwächten Körper u.U. fatale Folgen.

Um das Eindringen von Speichel (oder Speisen) in die Lunge zu verhindern kann eine geblockte Trachealkanüle eingesetzt werden, die das Sekret auffängt und ein tiefes Eindringen verhindert.

Stenosen im subglottischem Bereich

In Notfallsituationen oder als Folge von Operationen kann es zu einer Lähmung der Stimmlippen kommen. Wenn die Stellung der Stimmlippen zueinander dabei sehr eng ist, erschwert dies die Atmung bis zu einem Grad, der eine physiologische Atmung unmöglich macht. Eine Öffnung der Luftröhre von außen – eine Tracheotomie – ist dann dringend indiziert.

Ein solcher Verschluss der oberen Atemwege kann aber auch durch allergische Reaktionen ausgelöst werden. In solchen Fällen spricht man von einer Notfalltracheotomie. Die bekannte Notkoniotomie entspricht nicht mehr dem medizinischen Standard.

Pulmonare Erkrankungen

Es gibt aber auch seltenere Fälle, in denen eine Tracheotomie indiziert ist. Bei pulmonalen Erkrankungen zum Beispiel. Auch wenn diese nicht unbedingt zu einer Beatmungspflicht führen, können Reinigungsfunktionen und Schutzmechanismen so stark gestört sein, dass eine ordentliche Bronchialtoilette nicht mehr möglich ist. Hier kann mit Hilfe einer Trachealkanüle das Entfernen von Sekret und Rückständen von außen unterstützt werden.

Larynektomie

Da bei einer Larynektomie der Kehlkopf ganz entfernt wird, ändern sich die anatomischen Begebenheiten sehr massiv. Ein direkte Verdindung der oberen Atemwege (Mund, Nase und Rachen) mit den unteren Atemwegen (Trachea, Bronchien und Lunge) ist dann nicht mehr gegeben. Eine Trachealkanüle wird in solchen Fällen postopereativ eingesetzt, um eine stabile Öffnung der Trachea nach außen zu erreichen. Grundsätzlich besteht dabei keine Pflicht, Patienten mit einer Trachealkanüle zu versorgen.