Mit der Dekanülierung ist der Prozess noch nicht abgeschlossen. Das Tracheostoma muss sich schließen – und dieser Verschluss ist nicht immer selbstverständlich.
Was unmittelbar nach der Dekanülierung passiert
Direkt nach dem Herausziehen der Kanüle wird das Stoma abgedeckt. Eine sterile Kompresse, fixiert mit Pflaster, reicht dafür aus. Das Abdecken dient zwei Zwecken: Es schützt die offene Wunde und es unterstützt den Verschluss mechanisch, indem die Stomaränder leicht zusammengedrückt werden.
Der Patient sollte beim Husten und Sprechen die Kompresse mit der Hand gegendrücken – das verhindert, dass Luft durch das noch offene Stoma entweicht, was subglottischen Druck abbaut und die Stimmqualität beeinträchtigt.
Spontaner Verschluss
Bei einem temporären Tracheostoma – also einem Stoma, das für Wochen bis Monate angelegt war, aber nicht epithelisiert ist – verschließt sich die Öffnung in der Regel spontan. Der Zeitrahmen variiert: Bei kurzer Kanülenverweildauer oft innerhalb weniger Tage. Bei langer Verweildauer kann es zwei bis vier Wochen dauern.
Der spontane Verschluss verläuft von innen nach außen: Die Trachealmukosa regeneriert sich, dann schließt sich das subkutane Gewebe, zuletzt die Haut. Solange der Prozess läuft, bleibt das Stoma abgedeckt und wird täglich inspiziert.
Zeichen für komplikationsfreie Heilung:
- Stomaränder ziehen sich sichtbar zusammen
- Kein Sekretaustritt mehr
- Keine Rötung, keine Schwellung, keine Wärme
Unterstützung des Verschlusses
Ein Druckverband – Kompresse plus stabilisierendes Pflaster, das leichten Druck auf die Stomaränder ausübt – unterstützt den spontanen Verschluss. Er ist kein Ersatz für chirurgischen Verschluss, aber er hilft.
Feuchtigkeit verzögert die Heilung. Das Stoma sollte trocken gehalten werden; bei starker Sekretproduktion aus der Trachea häufigerer Verbandswechsel.

Persistierendes Stoma
Bleibt das Stoma über vier Wochen offen, ohne klare Tendenz zum Verschluss, spricht man von einem persistierenden Tracheostoma. Das ist keine seltene Situation – sie tritt besonders auf bei:
- Langer Kanülenverweildauer mit vollständig epithelisiertem Stomakanal
- Infektion oder schlechter Wundheilung
- Vorbestehenden Hauterkrankungen oder Durchblutungsstörungen
- Stomas, die primär als permanent angelegt wurden (z.B. Laryngektomie-Stoma)
Ein persistierendes Stoma ist für den Patienten klinisch relevant: Luft entweicht beim Husten und Sprechen durch das Stoma, subglottischer Druck kann nicht vollständig aufgebaut werden, und das Hustenergebnis ist reduziert. Für Patienten nach Laryngektomie ist das Stoma bewusst dauerhaft – hier gibt es keinen Verschluss.
Chirurgischer Verschluss
Wenn spontaner Verschluss ausbleibt, ist ein operativer Eingriff die Lösung. Das Verfahren ist in der Regel überschaubar: Das epithelisierte Stomagewebe wird exzidiert, die Trachea schichtweise verschlossen, Haut und Subkutis adaptiert.
Die Indikation zum chirurgischen Verschluss wird gestellt, wenn nach vier bis sechs Wochen kein relevanter Fortschritt im Spontanverschluss erkennbar ist und das offene Stoma die Funktion beeinträchtigt.
Phonation und Husten nach Dekanülierung
In den ersten Tagen nach Dekanülierung – solange das Stoma noch offen ist – ist Phonation möglich, aber die Stimmqualität oft reduziert. Luft entweicht durch das Stoma, der subglottische Druck ist vermindert. Mit fortschreitendem Stomaverschluss normalisiert sich das.
Gleiches gilt für den Husten: Mit offenem Stoma ist der Hustendruckaufbau eingeschränkt. Abdecken beim Husten ist deshalb nicht nur ästhetisch, sondern funktionell sinnvoll.
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