Nach der Dekanülierung — der Entfernung der Trachealkanüle — muss das Tracheostoma verschlossen werden. Wie das geschieht und wie schnell es geht, hängt direkt von der Art des Stomas ab. Für Logopädinnen ist dieses Wissen relevant, weil der Stomaverschluss die letzte Phase des Dekanülierungsprozesses ist — und weil ein offenes oder schlecht verschlossenes Stoma die Phonation und das Husten unmittelbar beeinträchtigt.
Sofortmaßnahme: Abkleben direkt nach Dekanülierung
Unmittelbar nach der Entfernung der Trachealkanüle — egal bei welcher Stomaart — muss das Stoma sofort luftdicht abgeklebt werden.
Warum sofort?
Ein offenes Tracheostoma führt zu:
- Druckverlust beim Husten: Der für den Hustenstoß notwendige subglottische Druck entweicht durch das Stoma. Der Husteneffekt ist drastisch reduziert — genau in der Phase, in der der Patient sein Sekret selbstständig managen muss.
- Druckverlust bei der Phonation: Ausatemluft entweicht durch das Stoma, bevor sie die Stimmlippen erreicht. Die Stimme ist leise, heiser oder gar nicht vorhanden.
- Infektionsrisiko: Das offene Stoma ist ein direkter Zugang zur Trachea. Auch wenn die Kanüle entfernt ist, bleibt das Stoma ein Infektionsrisiko, bis es verschlossen ist.
Material: Sterile Wundauflage (z.B. Kompressen) und wasserdichtes Pflaster, das luftdicht klebt. Kein Verband, der Luft durchlässt.
Erster Verband: Direkt nach der Kanülenentfernung durch die durchführende Person (Arzt, Pflege, Logopädin je nach Setting). Verbandswechsel täglich oder bei Durchnässung.
Spontanverschluss: Dilatationsstoma
Das durch Dilatation angelegte Stoma (perkutane Dilatationstracheotomie) hat keine vernähten Ränder und keine stabile Narbenstruktur — das Gewebe wurde gedehnt, nicht operativ präpariert.
Verhalten nach Dekanülierung:
Das Dilatationsstoma zieht sich in der Regel innerhalb von Tagen deutlich zusammen. Die Haut und das Weichteilgewebe haben ein natürliches Bestreben, sich zu schließen. Oft ist das Stoma nach 1–2 Wochen vollständig geschlossen.
Vorgehen:
- Stoma sofort abkleben
- Täglicher Verbandswechsel, Wundzustand beurteilen
- Kein operativer Eingriff notwendig, wenn Spontanverschluss progredient ist
- Bei ausbleibenden Spontanverschluss nach 2–3 Wochen: chirurgisches Konsil
Kommunikation und Phonation während des Verschlusses:
Solange das Stoma noch nicht vollständig geschlossen ist, entweicht beim Sprechen Luft durch die Pflasterabdeckung oder die Wunde. Der Verband muss luftdicht sitzen. Patienten merken den Unterschied sofort: Mit dicht sitzendem Verband ist die Stimme deutlich kräftiger.
Langsamerer Verschluss: Konventionelles (chirurgisches) Stoma
Das chirurgisch angelegte Stoma hat definierte Wundränder, die sich nach der Dekanülierung annähern müssen. Es schließt sich langsamer als das Dilatationsstoma — typischerweise innerhalb von 1–4 Wochen, je nach Stomaalter, Gewebezustand und Patientenkonstitution.
Vorgehen:
- Stoma sofort abkleben
- Regelmäßige Wundkontrollen
- Sekundäre Wundnaht kann die Heilung beschleunigen — chirurgische Entscheidung
- Bei altem, narbig verändertem Stoma oder bei Patienten mit eingeschränkter Wundheilung (Diabetes, Immunsuppression, Strahlentherapie im Halsbereich): längere Heilungszeit einkalkulieren
Operativer Verschluss: Plastisches Stoma
Das plastische Tracheostoma wurde mit vernähten Wundrändern angelegt — ein stabiler, epithelialisierter Kanal zwischen Haut und Trachea. Es schließt sich nach Dekanülierung nicht von selbst.
Vorgehen:
- Stoma sofort abkleben — auch hier
- Operativer Verschluss durch den Chirurgen erforderlich
- Zeitpunkt des operativen Eingriffs: nach stabiler Dekanülierung, wenn der Patient den Eingriff tolerieren kann
- Bis zum operativen Verschluss: tägliche Verbandspflege, Stoma luftdicht abgedeckt halten
Der operative Verschluss ist ein planbarer, in der Regel ambulant oder kurststationär durchführbarer Eingriff. Er ist keine Notfallsituation.
Komplikationen und was sie bedeuten
Luft entweicht trotz Pflaster
Häufig in den ersten Tagen nach Dekanülierung. Ursachen: Pflaster sitzt nicht luftdicht, Stoma ist noch zu groß für die Pflastergröße, Patient hustet stark und bricht das Pflaster auf.
Konsequenz: Pflaster erneuern, größere Abdeckung verwenden, bei Bedarf zusätzliches Pflaster überlappend kleben.
Stoma schließt sich nicht
Bei länger liegendem Stoma, bei ausgeprägter Narbenbildung oder bei bestimmten Grunderkrankungen kann der Spontanverschluss ausbleiben. Chirurgisches Konsil ab 3–4 Wochen ohne Fortschritt.
Infektion
Rötung, Überwärmung, Schwellung, eitriges Sekret an der Stomawunde. Abstrich, antiseptische Lokaltherapie, ggf. systemische Antibiotika (ärztliche Entscheidung).
Granulombildung
Überschießende Narbengewebsbildung an den Stomarändern — kann den Verschluss verzögern und schmerzhaft sein. Chirurgische oder dermatologische Behandlung.
Was Logopädinnen beachten müssen
In der Phase des Stomaverschlusses ist die Phonation häufig noch eingeschränkt, weil das Stoma nicht vollständig geschlossen ist. Patienten erleben das als frustrierend — sie sind dekanüliert, aber die Stimme ist noch nicht voll.
Wichtig zu kommunizieren:
- Die Stimmqualität verbessert sich mit zunehmendem Stomaverschluss
- Der Verband muss beim Sprechen und Husten wirklich dicht sitzen
- Wenn die Stimme beim Sprechen nachlässt: Pflaster überprüfen
Außerdem: Auch nach der Dekanülierung können Schluckprobleme persistieren. Die Trachealkanüle ist weg, aber die zugrunde liegende Dysphagie ist nicht automatisch behoben. Schlucktherapie geht weiter.