Arten der Tracheotomie

Es gibt verschiedene operative Techniken, um ein Tracheostoma anzulegen. Für die therapeutische und pflegerische Versorgung ist dabei vor allem eine Frage relevant: Wie stabil ist das Stoma, und wie verhält es sich beim Kanülenwechsel oder nach der Dekanülierung?


Dilatationstracheotomie (perkutane Methode)

Die Dilatationstracheotomie — auch perkutane Dilatationstracheotomie (PDT) oder Punktionstracheotomie — ist heute die häufigste Methode auf Intensivstationen.

Technik

Die Trachea wird unter bronchoskopischer Kontrolle mit einer Nadel punktiert. Über einen Führungsdraht wird das Stoma durch schrittweises Aufdehnen mit Dilatatoren erzeugt — ohne einen eigentlichen Schnitt wie bei der konventionellen Tracheotomie. Danach wird die Trachealkanüle über den Führungsdraht eingeführt.

Eigenschaften des Stomas

Das durch Dilatation entstandene Stoma ist von Natur aus weniger stabil als ein chirurgisch angelegtes. Das Gewebe wurde gedehnt, nicht geschnitten und vernäht — es zieht sich zusammen, wenn keine Kanüle liegt.

Praktische Konsequenzen:

  • Kanülenwechsel sind traumatischer, weil das Stoma sich rasch verengt
  • Bei Dekanülierung: Stoma schließt sich oft innerhalb weniger Tage von selbst
  • Notfallwechsel erfordern besondere Vorsicht und gutes Material in Reichweite

Konventionelle (chirurgische) Tracheotomie

Die konventionelle Tracheotomie wird im Operationssaal unter Vollnarkose oder lokaler Betäubung durchgeführt. Über einen Hautschnitt am Hals werden die Halsmuskeln auseinandergedrängt, die Schilddrüse verschoben und die Trachea freigelegt. Ein definierter Ausschnitt aus der Trachealvorderwand erzeugt das Stoma.

Eigenschaften des Stomas

Das chirurgisch angelegte Stoma ist stabiler als das Dilatationsstoma. Die Wundränder sind klar definiert, der Kanal zwischen Haut und Trachea ist strukturierter.

Praktische Konsequenzen:

  • Kanülenwechsel sind weniger traumatisch
  • Das Stoma bleibt auch ohne liegende Kanüle länger offen — wichtig bei passagerer Dekanülierung
  • Spontanverschluss nach Dekanülierung dauert länger, ggf. ist eine Naht notwendig

Plastische Tracheostomie (Langzeit-Tracheostomie)

Die plastische Tracheostomie ist die aufwändigste Technik. Haut und Trachealwand werden so miteinander vernäht, dass ein stabiler, epithelisierter Kanal entsteht — ein echtes Dauerstoma mit Narbenring.

Eigenschaften des Stomas

Das plastische Stoma ist sehr stabil, weil die Wundränder miteinander vernäht wurden. Es ist auf langfristige oder dauerhafte Versorgung ausgelegt — zum Beispiel bei Kehlkopfkarzinom mit Laryngektomie, bei progredierenden neuromuskulären Erkrankungen oder bei Patienten, bei denen eine Dekanülierung dauerhaft nicht möglich ist.

Praktische Konsequenzen:

  • Kanülenwechsel sind einfach und sicher
  • Das Stoma schließt sich nicht von selbst — es muss operativ verschlossen werden, wenn keine Kanüle mehr notwendig ist
  • Der Stomaverschluss ist bei dieser Stomaart ein chirurgischer Eingriff

Vergleich der drei Methoden

DilatationKonventionellPlastisch
SettingIntensivstationOPOP
InvasivitätMinimalMittelHoch
StomastabilitätGeringMittelHoch
KanülenwechselSchwierigerNormalEinfach
SpontanverschlussSchnell (Tage)Langsam (Wochen)Nicht möglich
Verschluss nach DekanülierungPflaster, ggf. NahtGgf. NahtOperativ
Typisches SettingKurzzeit ICUMittelfristigLangzeit/dauerhaft

Was das für die tägliche Arbeit bedeutet

Beim Erstkontakt mit einem Patienten mit Trachealkanüle lohnt ein Blick in den Arztbericht: Welche Technik wurde gewählt? Das beantwortet direkt die Fragen:

  • Wie stabil ist das Stoma beim Wechsel?
  • Wie schnell schließt sich das Stoma nach passagerer Dekanülierung?
  • Was passiert nach der Dekanülierung mit dem Stoma?

Bei unbekannter Technik und geringem Sicherheitsgefühl: Rücksprache mit dem behandelnden Team vor dem ersten Kanülenwechsel.


Weiterführend