Bei einer Aspiration gelangt Material in die Atemwege unterhalb der Glottisebene. Das kann Speichel sein, Nahrung, Refluat – und es kann in jedem Moment passieren: vor, während oder nach dem Schlucken.
Aspiration bei tracheotomierten Patienten
Tracheotomierte Patienten aspirieren aus mehreren Gründen häufiger als nicht tracheotomierte:
- Veränderter Schluckmechanismus: Die Trachealkanüle fixiert den Larynx und schränkt dessen Elevation beim Schlucken ein. Das beeinträchtigt die laryngeale Schutzfunktion.
- Eingeschränkter Hustenreflex: Durch Cuff, verändertes Druckverhältnis und oft reduzierte Muskelkraft ist der Hustenreflex abgeschwächt oder ineffektiv.
- Subglottisches Sekret: Oberhalb des Cuffs sammelt sich Sekret, das bei Cuffdruckabfall oder Entblocken in die Atemwege gelangen kann.
- Sensibilitätsveränderungen: Langzeitintubation und Tracheotomie beeinträchtigen die laryngeale Sensibilität – stille Aspirationen sind die Folge.
Stille Aspiration
Besonders problematisch bei TK-Patienten ist die stille Aspiration: Aspiration ohne sichtbare Reaktion, ohne Husten, ohne klinisch erkennbares Zeichen. Sie wird häufig erst in der instrumentellen Schluckuntersuchung (FEES) sichtbar.
Cuff und Aspiration
Ein geblockter Cuff bietet keinen vollständigen Aspirationsschutz. Material kann am Cuff vorbeigleiten, besonders bei suboptimalem Cuffdruck oder bei Mikroaspirationen. Der Cuff ist primär für die Beatmung und nicht als Aspirationsschutz konzipiert.
Klinische Konsequenz
Aspiration bei tracheotomierten Patienten erfordert eine strukturierte Befundung: klinische Schluckuntersuchung und – bei Verdacht auf stille Aspiration – FEES. Die Befundlage entscheidet über den Einsatz oraler Ernährung, Kostform und therapeutische Maßnahmen.