Der Blue-Dye-Test (auch: Modified Evans Blue Dye Test, MEBDT) ist ein klinisches Screening-Verfahren zur Detektion von Aspiration bei tracheotomierten Patienten. Speichel oder Nahrung wird mit blauer Lebensmittelfarbe eingefärbt; nach dem Schlucken wird über die Trachealkanüle abgesaugt und das Sekret auf blaue Verfärbung kontrolliert.
Durchführung
- Speichel oder Nahrung wird mit blauer Lebensmittelfarbe versetzt
- Patient schluckt das eingefärbte Material
- Unmittelbar danach und in definierten Zeitintervallen wird tracheal abgesaugt
- Blaue Verfärbung im Absaugsekret gilt als positiver Befund (Aspiration)
Einschränkungen und wissenschaftliche Bewertung
Der Blue-Dye-Test ist in seiner Aussagekraft erheblich eingeschränkt und kein Ersatz für instrumentelle Diagnostik:
- Geringe Sensitivität: Studien zeigen Sensitivitäten von teils unter 50 %. Stille Aspirationen werden regelmäßig nicht erkannt.
- Falsch negative Ergebnisse: Aspiration kann stattfinden, ohne dass Farbe in die Trachea gelangt – besonders bei Mikroaspiration.
- Kein Nachweis von Penetration: Das Verfahren erkennt nicht, wann Material bis zur Glottis gelangt, aber nicht darunter.
- Kein Timing: Prä-, intra- und postdeglutitive Aspiration lassen sich nicht unterscheiden.
Die Fachgesellschaften empfehlen bei klinischem Aspirationsverdacht die FEES als Goldstandard der instrumentellen Diagnostik.
Klinische Einordnung
Der Blue-Dye-Test kann als Orientierungsverfahren dort eingesetzt werden, wo keine FEES verfügbar ist – mit dem klaren Bewusstsein, dass ein negatives Ergebnis Aspiration nicht ausschließt. Ein positives Ergebnis ist diagnostisch verwertbar; ein negatives ist es nicht.