Hygiene und Infektionsprävention bei Trachealkanüle

Das Tracheostoma ist eine offene Verbindung zwischen dem Körperinneren und der Umgebung. Infektionen sind die häufigste Komplikation im Zusammenhang mit Trachealkanülen – und ein Großteil davon ist vermeidbar. Keine hochkomplexen Maßnahmen, sondern konsequente Basishygiene.

Stomatracheitis und Stomainfektionen

Der Stomarand ist eine chronisch belastete Wundfläche: Sekret, mechanischer Druck durch den Flansch, Feuchtigkeit und die ständige Exposition gegenüber Atemwegsbakterien schaffen ein infektionsgünstiges Milieu.

Prävention:

  • Trockene Stomaversorgung – feuchte Kompressen mazerieren die Haut
  • Haut unter dem Flansch täglich inspizieren und reinigen
  • Sekret nicht eintrocknen lassen – Borken entstehen und verdecken Hautschäden

Zeichen einer Stomainfektion: Rötung, Schwellung, Druckschmerz, eitriges Sekret, Geruch. Ärztliche Beurteilung und ggf. Abstrich.

Beatmungsassoziierte Pneumonie (VAP)

Die beatmungsassoziierte Pneumonie ist die schwerwiegendste infektiöse Komplikation bei langzeitbeatmeten tracheotomierten Patienten. Sie entsteht durch Mikroaspiration von subglottischem Sekret, das pathogens besiedelt ist.

Evidenzbasierte Maßnahmenbündel zur VAP-Prävention:

  • Oberkörperhochlage 30–45° – reduziert Reflux und Aspiration
  • Orale Dekontamination mit antiseptischer Mundspülung (Chlorhexidin) – reduziert orale Bakterienlast nachweislich – Mundpflege ist extrem wichtig
  • Subglottisches Absaugen (wenn Suction-Aid-Kanüle vorhanden) – entfernt das subglottische Sekretdepot vor Aspiration, besser: regelmäßig entblocken
  • Händehygiene – banale Grundlage, nach wie vor die wichtigste Einzelmaßnahme
  • Steriles Absaugen – deutlich besser als No-Touch. Noch besser sind geschlossene Absaugsysteme

Hygiene beim Absaugen

Absaugen ist der invasivste Routineeingriff am Atemweg. Jede Unsauberkeit dabei ist ein direkter Infektionsweg in die Trachea.

Offenes System:

  • Sterile Einmalhandschuhe
  • Steriler Einmalkatheter – einmal verwenden, dann verwerfen
  • Kein Rückspülen des Katheters mit NaCl (Keimeintrag)
  • Absaugschlauch und -behälter regelmäßig wechseln (klinikabhängig, typischerweise alle 24–72 Stunden)

Geschlossenes System:

  • Katheter nach Herstellerangabe wechseln
  • Spülung des Katheters im System mit NaCl – kein Infektionsrisiko durch Rückspülen, aber Katheter altert und muss ersetzt werden

Aufbereitung von Kanülenkomponenten

Innenkanülen aus Kunststoff (Einmalprodukte): nach Verwendung verwerfen. Mehrwegmodelle aus Kunststoff oder Silber: mit Bürste unter fließendem Wasser reinigen, anschließend desinfizieren oder sterilisieren nach Herstellerangabe.

Silberinnenkanülen: Spezialfall – Silber ist intrinsisch antimikrobiell, aber die Oberfläche darf nicht mit aggressiven Reinigern behandelt werden. Hersteller-Empfehlung beachten.

Außenkanülen: Werden nach Wechsel verworfen (Einmalmaterial) oder – bei Mehrwegkanülen – nach Herstellerangabe aufbereitet. Im klinischen Setting sind Einmalprodukte Standard.

Händehygiene

Hygienische Händedesinfektion vor und nach jedem Kontakt mit Kanüle, Stoma oder Absaugsystem – auch wenn Handschuhe getragen werden. Das ist keine Besonderheit der TK-Versorgung, wird aber in der Routinepflege systematisch unterdurchgeführt.


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