Der Kanülenwechsel ist eine der Tätigkeiten im TK-Management, bei der der Unterschied zwischen routinierter Durchführung und sorgfältigem Vorgehen direkte Auswirkungen auf die Patientensicherheit hat. Ein Stoma, das sich nicht sofort findet; eine Trachealkanüle, die nicht passt; ein Patient, der hustet und den Führungsmandrin auswirft – das sind keine seltenen Szenarien, sondern normale Bedingungen in der Praxis. Vorbereitung ist deshalb kein Formalismus.
Wechselintervalle
Trachealkanülen werden in der Regel alle zwei bis vier Wochen gewechselt, abhängig von Kanülentyp, Material und klinischer Situation. Die Innenkanüle wird täglich oder mehrfach täglich entnommen und gereinigt – der Außenkanülenwechsel ist davon unabhängig.
Anlass für einen ungeplanten Wechsel:
- Verdacht auf Fehllage
- Defekter Cuff (Druckverlust trotz Blocken)
- Kanülenverlegung durch Sekret, die sich nicht anders beheben lässt
- Infektionszeichen am Stoma, die einen Wechsel erfordern
Wer wechselt?
Der erste Kanülenwechsel nach Tracheotomie – in der Regel nach fünf bis sieben Tagen – gehört in ärztliche Hand oder wird unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt. Der Stichkanal ist noch frisch, nicht epithelisiert, und ein verlorenes Lumen ist schwer wiederzufinden.
Alle weiteren Wechsel können – bei entsprechend qualifiziertem Personal und klarer Delegationslage – durch Pflegefachkräfte und Logopäd:innen durchgeführt werden. Das ist in der Praxis Standard und ist in den meisten europäischen Ländern rechtlich eindeutig geregelt.
Vorbereitung
Ein Kanülenwechsel wird nicht begonnen, ohne dass alle Materialien bereit liegen. Das klingt selbstverständlich – in der Praxis wird es dennoch häufig vernachlässigt.
Checkliste:
- Neue Kanüle gleicher Größe und ein Modell kleiner (falls das Stoma enger ist als erwartet)
- Führungsmandrin eingesetzt und geprüft
- Gleitmittel (z.B. wasserlösliches Gel)
- Haltebänder oder Halterungssystem
- Absaugbereit (Gerät ein, Katheter angeschlossen)
- Cuffdruckmessung / Regulatorsystem
- Lichtquelle für Inspektion
Patient: aufgeklärt, möglichst sitzend oder mit angehobenem Oberkörper. Hals extendiert, um das Stoma zu öffnen. Je weiter fortgeschritten der Rehaprozess ist, desto einfacher werden die Wechsel und desto mehr kann auch auf den Komfort der Patient:innen geachtet werden.
Durchführung
- Altes Haltesystem lösen, Cuff vollständig entblocken
- Alte Kanüle zügig und in der Kurvenrichtung des Schafts herausziehen
- Stoma inspizieren (kurz – das Stoma beginnt sofort zu verengen)
- Neue Trachealkanüle einführen – Bewegungsrichtung entlang der Kanülenkrümmung, nie mit Gewalt
- ggf. Einführhilfe entfernen
- Cuff blocken, Cuffdruck kontrollieren
- Kanüle fixieren
- Atemweg prüfen: Luftstrom hörbar? SpO₂ stabil? Beidseits belüftet?
Das frische Stoma
In den ersten sieben bis zehn Tagen nach Tracheotomie ist der Stichkanal noch nicht stabil. Wird die Kanüle verloren, kann das Lumen innerhalb von Minuten kollabieren und nicht mehr zu finden sein. Das ist ein Notfall.
Konsequenzen für den Umgang mit frischen Stomata:
- Kein Kanülenwechsel ohne Arzt oder Notfallbereitschaft in unmittelbarer Nähe
- Obturatornadeln immer am Bett
- Beim geringsten Zweifel über Fehllage: Kanüle nicht weiter vorschieben
Klinische Zeichen einer Fehllage
Eine falsch liegende Kanüle ist einer der gefährlichsten Zustände im TK-Management. Zeichen:
- Kein Luftstrom durch die Kanüle spürbar oder hörbar
- SpO₂-Abfall
- Zunehmende Atemnot, Stridor
- Hautemphysem am Hals (Luft im Weichteilgewebe)
- Beatmungsgerät alarmiert (Druckanstieg, kein Tidalvolumen)
Bei Verdacht auf Fehllage: Kanüle herausziehen, Stoma sichern, Notfall melden.
Stoma-Pflege beim Wechsel
Der Kanülenwechsel ist der Moment, um das Stoma sorgfältig zu inspizieren und zu reinigen. Stomarand, Haut unter dem Flansch und der sichtbare Trachealabschnitt werden auf Rötung, Mazeration, Granulome und Sekretbeläge inspiziert. Hautpflege und Wechsel der Stoma-Kompresse gehören dazu.
Weiterführend: