Die pflegerische Grundversorgung tracheotomierter Patienten ist keine Spezialaufgabe, die nur Wenige beherrschen müssen. Es ist Routineversorgung – aber Routineversorgung, die konsequent und kompetent sein muss, weil Fehler direkt den Atemweg betreffen.
Stoma-Inspektion und -Pflege
Das Stoma wird mindestens einmal täglich – beim Verbandswechsel – sorgfältig inspiziert:
Was wird beurteilt:
- Stomarand: Rötung, Mazeration, Nekrose?
- Haut unter dem Flansch: Druckstellen, Feuchtigkeit, Intertrigo?
- Granulombildung am Stomarand?
- Sekretbeläge, Krusten?
Wundversorgung:
Die Haut um das Stoma wird gereinigt – Sekrete und Borken werden entfernt, die Haut getrocknet. Eine Stoma-Kompresse oder ein ausgeschnittener Schlitzverband schützt die Haut vor Sekretkontakt. Die Kompresse ist trocken zu halten – feuchte Unterlagen mazerieren die Haut.
Hautpflegecreme schützt gefährdete Hautareale. Hydrokolloide Auflagen können bei bestehender Hautschädigung hilfreich sein.
Innenkanüle reinigen
Die Innenkanüle wird täglich – bei starker Sekretlast mehrfach täglich – entnommen und gereinigt.
Vorgehen:
- Innenkanüle durch Drehen und Herausziehen entnehmen (Handgriff ist kanülenspezifisch, vorab vertraut machen)
- Unter fließendem Wasser groben Sekretbelag entfernen
- Mit spezieller Innenkanülenbürste durchbürsten – alle Flächen
- Mit klarem Wasser ausspülen
- Auf Beschädigungen prüfen
- Sofort wieder einsetzen oder gegen eine bereits gereinigte austauschen
Die Außenkanüle bleibt während der Reinigung im Stoma. Den Patienten dabei beobachten – ohne Innenkanüle kann das Sekret die Außenkanüle schneller verlegen.
Innenkanülen, die mit Wasserstoffperoxid oder aggressiven Desinfektionsmitteln gereinigt werden, altern schneller. Hersteller-Empfehlungen zum Reinigungsmittel beachten.
Fixierung und Halterung
Eine nicht ausreichend fixierte Trachealkanüle ist ein Risiko. Die Halterung muss:
- Eng genug sein, um unbeabsichtigtes Herausrutschen zu verhindern
- Nicht so eng, dass Druckstellen am Hals entstehen (Daumenbreite Spielraum ist Orientierung)
- Täglich auf Zustand und Sitz kontrolliert werden
Klettbandhalterungen sind komfortabler und hygienischer als Kravatten-Halterungen, die bei Feuchtigkeit aufweichen und reißen.
Cuffdruck überwachen
Bei gecufften Kanülen: Cuffdruck mindestens einmal pro Schicht kontrollieren. Automatische Regulatoren halten den Druck kontinuierlich – auch bei diesen Geräten wird die Funktion regelmäßig geprüft.
Zielbereich: 20–30 cmH₂O. Druckabfall ist ein Hinweis auf Cuff-Leckage, die einen Kanülenwechsel erforderlich machen kann.
Atemluftbefeuchtung sicherstellen
Der HME wird täglich oder bei Bedarf (Durchnässung durch Sekret, Verstopfung) gewechselt. Bei aktiven Befeuchtungssystemen: Wasserbehälter regelmäßig auffüllen, Schlauchsystem nach Herstellerangabe wechseln.
Ein trockenes Stoma oder zähes, eingedicktes Sekret sind Zeichen unzureichender Befeuchtung – kein Anlass für mehr Absaugen, sondern für bessere Befeuchtung.
Beobachtung und Dokumentation
Pflegerische Beobachtung ist die engmaschigste klinische Überwachung, die tracheotomierte Patienten erhalten. Veränderte Sekretqualität, verändertes Atemgeräusch, Veränderungen am Stoma – Pflegekräfte bemerken das oft als erste.
Dokumentiert werden:
- Sekretmenge, Farbe, Konsistenz
- Stoma-Befund
- Cuffdruck-Wert
- Auffälligkeiten im Atemverhalten
- Kanülentyp und Größe nach jedem Wechsel
Weiterführend: