Das Tracheostoma umgeht die oberen Atemwege vollständig. Was Nase und Nasopharynx leisten – Anwärmen, Befeuchten, Filtern der Atemluft – entfällt. Das Ergebnis ist trockene, schlecht befeuchtete Luft, die direkt auf die Trachealmukosa trifft. Sekret wird zähflüssig, die mukoziliäre Clearance ist gestört, und das Abhusten wird erschwert. Gutes Sekretmanagement beginnt deshalb nicht beim Absaugen – es beginnt bei der Befeuchtung.
Befeuchtung als Basis
Schlechtes Sekretmanagement ist fast immer auch ein Befeuchtungsproblem. Zähes, eingedicktes Sekret lässt sich nicht absaugen, nicht abhusten, nicht mobilisieren. Die effektivste Maßnahme gegen Sekretprobleme ist deshalb die Optimierung der Atemluftbefeuchtung.
Aktive Befeuchtungssysteme – Geräte, die Atemluft auf Körpertemperatur erwärmen und auf nahezu 100 % relativer Feuchte bringen – sind dem passiven HME in der Befeuchtungsleistung überlegen. Sie sind keine Luxus-Option für spezielle Patienten, sondern die bessere Standardlösung. Der HME ist eine praktikable Übergangslösung für mobile Patienten mit moderatem Befeuchtungsbedarf – nicht mehr.
Faustregel: Wenn ein Patient regelmäßig abgesaugt werden muss, weil das Sekret zu zäh für eigenständiges Abhusten ist, ist die Befeuchtung wahrscheinlich das primäre Problem.
Inhalation
Inhalative Maßnahmen unterstützen die Sekretolyse und können Sekret dünnflüssiger machen. Isotone Kochsalzlösung (0,9 %) oder – bei sehr zähem Sekret – hyperton (3 %) kann den Sekrettransport verbessern. Der Effekt ist individuell unterschiedlich.
Mukolytika (z.B. Acetylcystein) sind pharmakologische Optionen, die je nach klinischer Situation und ärztlicher Anordnung eingesetzt werden können.
Inhalation über Vernebleraufsatz auf die Trachealkanüle ist bei eingeschränkt mobilen Patienten gut durchführbar.
Lagerung und Mobilisation
Sekret bewegt sich mit der Schwerkraft. Lagerungsmaßnahmen – posturale Drainage – nutzen das systematisch: Der Patient wird so gelagert, dass das betroffene Lungensegment nach oben zeigt und Sekret in Richtung der größeren Atemwege fließen kann. Physiotherapie ist in diesem Kontext ein zentraler Partner.
Mobilisation – auch passiv, auch nur Sitzen im Bett – verbessert die Belüftung und unterstützt den Sekrettransport.
Hustenunterstützung
Eigenständiges Abhusten ist die physiologischste und schonendste Form der Sekretmobilisation. Wenn der Patient hustet, sollte das unterstützt, nicht verhindert werden.
Bei tracheotomierten Patienten ist die Hustenkraft häufig reduziert. Gründe: muskuläre Schwäche, erschwerter subglottischer Druckaufbau, Angst. Mit entblocktem Cuff und – besser noch – Sprechventil verbessert sich die Husseffizienz messbar.
Manuell assistierter Husten: Die Therapeutin oder Pflegekraft unterstützt die Exspiration durch kontrollierten abdominalen Druck synchron zum Hustenversuch. Bei Patienten mit reduzierter Atemmuskelkraft eine wirksame Technik.
Mechanische Hustenunterstützung (Cough Assist): Geräte, die im Wechsel positiven (Insufflation) und negativen (Exsufflation) Druck aufbauen, können Sekret aus den tiefen Atemwegen mobilisieren. Bei neuromuskulären Erkrankungen etablierter Standard, zunehmend auch bei anderen TK-Patienten eingesetzt.
Absaugen – als letztes Mittel, nicht als erstes
Therapeutisches Absaugen ist indiziert, wenn alle anderen Maßnahmen nicht ausreichen. Es ist keine Erstmaßnahme, kein Standardvorgang nach Zeitplan.
Absaugen ist traumatisierend: Es verletzt die Schleimhaut, stimuliert vagale Reaktionen und kann Hypoxie erzeugen. Häufiges Absaugen ist oft ein Zeichen dafür, dass das Grundproblem – mangelhafte Befeuchtung, ineffektives Husten – nicht gelöst ist.
Wenn regelmäßig und häufig abgesaugt werden muss: Befeuchtungssituation prüfen, Hustenunterstützung optimieren, Befeuchtung intensivieren.
Dokumentation
Das Sekret gibt wichtige klinische Informationen: Menge, Farbe, Konsistenz und Geruch sind Parameter, die dokumentiert und bewertet werden sollten. Veränderungen können auf Infektion, unzureichende Befeuchtung oder Komplikationen hinweisen.
- Klar bis weißlich, dünnflüssig: Normal
- Gelb bis grünlich, zäh: Hinweis auf Infektion
- Blutbeimengung: Schleimhautläsion oder tiefere Ursache – ärztliche Einschätzung
- Sehr zäh, eingedick: Befeuchtung unzureichend
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