Im klinischen Umfeld liegen neben einem tracheotomierten Patienten oft mehrere Kathetertypen gleichzeitig bereit. Für das transtracheale Absaugen ist nur eine Art geeignet — aber wer die anderen nicht kennt, greift im Zweifel zum falschen.
Überblick: Kathetertypen im klinischen Alltag
Katheter werden in der Klinik für viele verschiedene Zwecke eingesetzt. Eine erste Orientierung nach Einsatzbereichen:
Harnblasenkatheter: Für die Harnableitung. Erkennbar an der Ballonmanschette am Ende (Fixierungsballon) und dem deutlich größeren Lumen. Für das Absaugen ungeeignet.
Ernährungssonden / Magensonden: Für enterale Ernährung oder Medikamentengabe. Dünner als Blasenkatheter, aber ohne Seitenöffnungen für gleichmäßigen Sog.
Absaugkatheter für oropharyngeales Absaugen: Manchmal mit gekrümmter Spitze (Yankauer-Sauger für die Mundhöhle oder halbsteife Katheter für den Nasopharynx). Für das transtracheale Absaugen ungeeignet.
Transtrachealer Absaugkatheter: Der einzig geeignete Katheter für das Absaugen durch die Trachealkanüle. Steril, flexibel, mit Seitenöffnungen an der Spitze.
Eigenschaften des transtrachealen Absaugkatheters
Seitenöffnungen
Transtracheale Absaugkatheter haben an der Spitze eine oder mehrere Seitenöffnungen zusätzlich zur Endöffnung. Die verteilte Sogwirkung schützt die Tracheaschleimhaut vor punktuellen Druckschäden.



Länge
Die Länge des Katheters ist entscheidend. Er muss:
- Weit genug in die Trachea reichen, um unterhalb des Cuffs Sekret zu erreichen
- Nicht bis zur Carina vordringen (Hustenreiz, Schleimhautverletzung)
Als Orientierung gilt: Länge der Trachealkanüle + ca. 1–2 cm ergibt ungefähr die Einführtiefe. Die meisten Hersteller markieren Absaugkatheter mit Zentimeter-Skalen.
Wichtig bei der Auswahl: Auf Intensivstationen liegen oft Katheter verschiedener Längen. Den Katheter wählen, der zur Kanülenlänge passt.
Durchmesser (Charrière / French)
Der Außendurchmesser des Absaugkatheters sollte nicht mehr als die Hälfte des Innendurchmessers der Trachealkanüle betragen. Ist der Katheter zu dick, verlegt er das Kanülenlumen beim Absaugen — der Patient kann nicht mehr um den Katheter herum atmen.
Faustregel: Kanülen-ID (mm) × 2 = maximale Kathetergröße in Charrière.
Beispiel: TK mit ID 8 mm → Katheter maximal 16 Charrière (= 16 Fr).
Kontrollöffnung (Fingerventil)
Transtracheale Absaugkatheter haben seitlich eine Öffnung, die mit dem Daumen verschlossen wird, um Sog zu aktivieren. Sog entsteht nur, wenn diese Öffnung verschlossen ist — so kann der Katheter ohne aktiven Sog eingeführt und mit aktivem Sog zurückgezogen werden.
Sterilität
Das Absaugen durch die Trachealkanüle ist ein steriler Eingriff. Verwendet werden:
- Sterile Einmal-Handschuhe, oder
- Non-Touch-Technik (Katheter wird mit sterilem Handschuh gehalten, die andere Hand bleibt „unsteril“ und bedient das Absauggerät)
Einmalkatheter — nach einmaligem Gebrauch verwerfen. Nicht mehrfach verwenden.
Absauggerät und Sogstärke
Empfohlener Unterdruck für transtracheales Absaugen: ca. 80–120 mmHg (entspricht ca. 100–160 cmH₂O). Zu hoher Sog verletzt die Schleimhaut und erzeugt unnötige Traumatisierung. Zu niedriger Sog ist ineffektiv.
Das Absauggerät sollte vor der Therapie eingeschaltet und einsatzbereit sein — im Notfall zählen Sekunden.
Zusammenfassung: Auswahl des richtigen Katheters
| Kriterium | Anforderung |
|---|---|
| Typ | Transtrachealer Absaugkatheter, steril, Einmal |
| Durchmesser | Max. ½ des Kanülen-ID (in Charrière ≈ Kanülen-ID in mm × 2) |
| Länge | Kanülenlänge + 1–2 cm Einführtiefe |
| Seitenöffnungen | Ja — gleichmäßige Sogverteilung |
| Sterilität | Sterile Handschuhe oder Non-Touch-Technik |