Innenkanüle

Die Innenkanüle ist eine herausnehmbare innere Röhre, die in die Außenkanüle einer Trachealkanüle eingeführt wird. Sie bildet das eigentliche Atemlumen — also den Kanal, durch den der Patient atmet.


Funktion

Sekret und Borken setzen sich bei tracheotomierten Patienten bevorzugt auf der innersten Fläche der Kanüle ab. Ohne Innenkanüle würde das Sekret direkt auf der Außenkanüle antrocknen — ein Wechsel der gesamten Kanüle wäre dann notwendig, um das Lumen freizuhalten.

Die Innenkanüle löst dieses Problem: Sie nimmt die Sekretbelastung auf und kann zur Reinigung einfach herausgezogen werden, ohne die Außenkanüle zu bewegen. Das reduziert die Belastung für das Stoma erheblich.


Typen

Einmal-Innenkanülen (Disposable)

Einmal-Innenkanülen sind für den einmaligen Gebrauch konzipiert. Sie werden nach dem Herausnehmen verworfen und durch eine neue, sterile Kanüle ersetzt.

Vorteile:

  • Keine Reinigung notwendig
  • Immer keim- und sekretfrei
  • Reduktion des Pflegeaufwands

Nachteil:

  • Laufende Kosten, höherer Materialverbrauch

Wechselintervall: Je nach Sekretmenge mehrfach täglich bis einmal täglich. Bei stark sekretierenden Patienten kann ein Wechsel alle 4–8 Stunden notwendig sein.

Wiederverwendbare Innenkanülen

Wiederverwendbare Innenkanülen werden herausgezogen, gereinigt und wieder eingesetzt.

Reinigung:

  1. Innenkanüle herausnehmen
  2. Sekret mechanisch entfernen (Innenkanülenbürste, fließendes Wasser)
  3. Ggf. in Reinigungslösung einlegen
  4. Abspülen, trockentupfen
  5. Sofort wieder einsetzen — Außenkanüle nie länger als nötig ohne Innenkanüle lassen

Materialien: Kunststoff oder Silber (silberne Innenkanülen bei Silber-Außenkanülen).

Wechselintervall (Reinigung): Mindestens einmal täglich, bei starkem Sekret mehrfach täglich.


Innenkanüle und Fensterung

Bei gefensterten Trachealkanülen gibt es zwei Arten von Innenkanülen:

Gefensterte Innenkanüle: Hat eine Öffnung, die mit der Fensterung der Außenkanüle korrespondiert. Luft kann durch die Fensterung in Richtung Larynx strömen — Phonation wird erleichtert.

Ungefensterte Innenkanüle: Schließt die Fensterung der Außenkanüle ab. Der Luftstrom geht ausschließlich durch das Kanülenlumen.

Praxis-Hinweis: Immer prüfen, welche Innenkanüle gerade liegt — und ob die aktuelle Innenkanüle die gewünschte Funktion (mit oder ohne offene Fensterung) erfüllt. Ein häufiger Fehler: Patienten liegt eine gefensterte Außenkanüle, aber eine ungefensterte Innenkanüle — die Fensterung ist damit blockiert, ohne dass es auffällt.


Außenkanüle ohne Innenkanüle: was zu beachten ist

Manche Trachealkanülen haben kein Innenkanülensystem (insbesondere manche Einmal-Kanülen auf der Intensivstation). Hier muss das Lumen durch regelmäßige Absaugung und Inhalation freigehalten werden — und die gesamte Kanüle wird in kürzeren Abständen gewechselt.

Wenn eine Innenkanüle zur Reinigung herausgezogen wird: Die Außenkanüle liegt dann offen im Stoma. Das Herausnehmen sollte zügig gehen, und die Innenkanüle sollte immer sofort wieder eingesetzt werden. Nie länger als notwendig ohne Innenkanüle lassen.


Häufige Fehler

Zu seltene Reinigung:
Innenkanüle wird täglich nur einmal gereinigt, obwohl der Patient stark sekretiert. Folge: eingeengtes Lumen, erhöhter Atemwiderstand, Atemarbeit steigt.

Reinigung ohne Bürste:
Sekret wird mit Wasser ausgespült, aber nicht mechanisch entfernt. Borken bleiben haften.

Vergessen der Innenkanüle beim Kanülenwechsel:
Nach einem Gesamtwechsel manchmal vergessen, die Innenkanüle wieder einzusetzen. Außenkanüle ohne Innenkanüle lassen.

Falsche Innenkanüle bei Fensterkanüle:
Ungefensterte Innenkanüle in gefensterter Außenkanüle — Phonation wird damit ohne Wissen des Teams blockiert.


Weiterführend