Die Innenkanüle ist ein elegantes Konzept: Sekret setzt sich bevorzugt an der innersten Fläche des Atemwegs ab. Wenn diese Fläche herausnehmbar ist, kann sie gereinigt werden, ohne die gesamte Kanüle zu bewegen. Das ist klinisch wertvoll – aber es hat einen Preis, der oft übersehen wird.
Was die Innenkanüle leistet
Sekret und Borken lagern sich auf der Innenfläche der Trachealkanüle ab. Ohne Innenkanüle bedeutet das: Die gesamte Kanüle muss gewechselt werden, sobald das Lumen verlegt ist – bei jedem vollständigen Wechsel eine Belastung für Patient und Stoma.
Die Innenkanüle löst dieses Problem: Sie wird entnommen, gereinigt oder ausgetauscht, die Außenkanüle bleibt im Stoma. Sekretverlegung des Lumens wird beherrschbar ohne kompletten Kanülenwechsel. Das ist besonders in der Frühphase nach Tracheotomie, bei hoher Sekretlast und in der ambulanten Versorgung ein erheblicher Vorteil.
Was die Innenkanüle kostet
Auch hier gilt das Grundprinzip: Jede Funktion kostet Platz.
Die Innenkanüle hat eine eigene Wandstärke. Die Außenkanüle muss entsprechend größer dimensioniert sein, um denselben funktionellen Innendurchmesser zu erzielen. Eine Kanüle mit Innenkanüle hat bei gleichem OD immer einen kleineren nutzbaren ID als eine Kanüle ohne Innenkanüle.
Das ist kein theoretisches Problem. Bei Patienten mit kleinem Tracheadurchmesser, hohem Atemwiderstand oder schlechter Sekretmobilisierbarkeit kann dieser Unterschied klinisch relevant sein.
Wann eine Kanüle ohne Innenkanüle besser ist
Kanülen ohne Innenkanüle haben bei gleichem OD einen größeren ID – und damit geringeren Atemwiderstand, bessere Absaugdurchgängigkeit und mehr Luftstrom.
Sie sind dann die bessere Wahl, wenn:
- Der Patient eine geringe Sekretlast hat und regelmäßige Kanülenwechsel praktikabel sind
- Maximaler Innendurchmesser klinisch prioritär ist (z.B. schwierige Entwöhnung, hoher Atemarbeit)
- In der Weaning-Phase, wo der ID für Atemarbeit entscheidend ist
Typen
Ungefensterte Innenkanüle: Standard. Geschlossene Röhre, kein Luftaustritt durch die Kanalwand. Für alle Anwendungen geeignet; beim Absaugen in eine gefensterte Außenkanüle immer einlegen, damit der Katheter nicht durch die Fensterung in das peritracheale Gewebe eindringt.
Gefensterte Innenkanüle: Hat eine Öffnung in der dorsalen Wand, die bei korrekter Positionierung mit der Fensterung der Außenkanüle übereinstimmt. Ermöglicht Phonation durch die Fensterung. Selten geworden, da das Sprechventil diese Funktion zuverlässiger und sicherer erfüllt.
Silberinnenkanülen: Aus antimikrobiellem Silber gefertigt. Historisch bedeutsam, heute in der Dauerversorgung gelegentlich noch im Einsatz. Vorteil: inhärente antimikrobielle Wirkung. Nachteil: empfindlich gegenüber bestimmten Reinigungsmitteln, höherer Preis.
Reinigung
Die Innenkanüle wird entnommen, wenn Sekret oder Borken das Lumen verlegen oder als Routine in definierten Intervallen – je nach Sekretlast mindestens einmal täglich, bei hoher Sekretlast mehrfach täglich.
Vorgehen: Unter fließendem Wasser groben Belag entfernen, mit einer Innenkanülenbürste gründlich reinigen, ausspülen, auf Beschädigungen prüfen, sofort wieder einsetzen oder gegen eine saubere austauschen.
Die Außenkanüle bleibt während der Reinigung im Stoma. Patient beobachten – ohne Innenkanüle kann das Sekret die Außenkanüle schneller verlegen.
Reinigungsmittel nach Herstellerangabe. Aggressive Desinfektionsmittel oder Wasserstoffperoxid beschleunigen die Materialermüdung; bei Silberkanülen können bestimmte Mittel das Silber angreifen.
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