Auswirkungen einer Trachealkanüle auf den Alltag der Patienten

Trachealkanülen sind für viele Patienten ein Segen, da sie medizinische Maßnahmen ermöglichen oder vor lebensbedrohlichen Gefahren schützen. Aber sie sind auch ein Fluch, da sie elementare Lebensbereiche stark einschränken oder ganz unmöglich machen.

Atmung

  • Die Atmung ist durch eine Trachealkanüle erheblich verändert.
  • Der Atemwiderstand ist durch das Lumen der Trachealkanüle erhöht. Gleichzeitig ist die Distanz verringert, da Larynx, Pharyx und Mund- bzw. Nasenraum nicht mehr belüftet werden müssen.
  • In der Folge reduziert sich die Inspirationstiefe und erhöht sich die Atemanstrengung.
  • Die Reinigungsfunktion der Nasenschleimhaut funktioniert ebenfalls nicht. Das betrifft auch die Anfeuchtung und Erwärmung der Atemluft durch die Schleimhäute in Nase und Pharynx.

Haltung

  • Patienten mit einer Trachealkanüle neigen zu Schonhaltung. Dabei ist oft der Kopf nach hinten überstreckt.

Kommunikation

  • Geblockte Trachealkanülen lassen keine Luft zum Larynx durch. Dadurch ist eine Phonation nicht möglich. Die Kommunikation beschränkt sich auf Gestik und Mimik. Hier sollten in der Therapie schnell alternative Kommunikationsformen etabliert werden. Schriftsprache und elektronische Kommunikationshilfen müssen die unmögliche verbalsprachliche Kommunikation ersetzen.
  • Kann die Trachealkanüle entblockt werden und sind dabei Mund- und Nasenatmung möglich, kann die Phonation mit Sprechventilen (kurzzeitig) ermöglicht werden.
  • Bei Patienten mit einer guten Compliance, die auch absprachefähig sind, kann eine Trachealkanüle mit Siebung oder Fensterung eingesetzt werden.
  • Als hilfreich haben sich auch Geräte zur Unterstützten Kommunikation erwiesen. Zum Beispiel die App ChatAble für das iPad.

Schlucken

  • Trachealkanülen werden bei schwersten Schluckstörungen als Aspirationsschutz eingesetzt. Leider sorgen sie durch ihre Funktion für erhebliche Einschränkungen des Schluckaktes.
  • Die mechanische Reizung bei der Larynxelevation wirkt sich auf die Effektivität des Schluckens aus.
  • Durch die fehlende Belüftung des Pharynx reduziert sich hier die Sensibilität, was verzögerte Reflexauslösung oder fehlende Schutzreflexe zur Folge haben kann.
  • Die Koordination von Schlucken und Atmen wird im Hirnstamm gesteuert. Trachealkanülen-Träger können gleichzeitig atmen und schlucken. Die Atempause während des Schluckaktes kann verlernt werden.

Empfinden

  • Eine Trachealkanüle sorgt außerdem bei manchen Patienten für ein ständiges Fremdkörpergefühl.
  • Beim Absaugen kann es zu vermehrtem Stress kommen,
  • Sinneseindrücke wie Schmecken und Riechen sind reduziert bis unmöglich.